„Kalk hat ein Quartier verdient, das langfristig Lebensqualität schafft – nicht nur Rendite.“
Warum ich gegen die Vorgaben zur Ausarbeitung des Bebauungsplan-Entwurfes Barcelona-Allee in Köln-Kalk gestimmt habe
Der Ausschuss für Stadtentwicklung und regionale Zusammenarbeit hat am 7. Mai die Verwaltung beauftragt, für das Grundstück nördlich des Einkaufszentrums „Köln Arcaden“ auf der Grundlage des Ergebnisses des städtebaulichen Wettbewerbs einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan-Entwurf auszuarbeiten.
Das Grundstück umfasst die nördlich des Einkaufszentrums „Köln Arcaden“ gelegenen Parkgaragen des Einkaufszentrums. Nördlich an das Grundstück grenzt der Bürgerpark.
Auf diesem Grundstück sollen bis zu 45.000 m² oberirdische Geschossfläche geschaffen werden: Zur einen Hälfte Büroflächen und andere gewerbliche Nutzungen, zur anderen Hälfte Wohnungen. Neben freifinanzierten Wohnungen sollen auch 30 % geförderter Wohnungsbau gemäß dem Kooperativen Baulandmodell der Stadt Köln entstehen. Hinzu kommen die Parkgaragen mit 1.600 Stellplätzen.
Von März bis Oktober 2025 wurde ein mehrstufiges städtebauliches Qualifizierungsverfahren mit vier Planungsteams und begleitender Öffentlichkeitsbeteiligung durchgeführt.
Als Siegerentwurf wurde die Arbeit von NEW Architekten gewählt. Dieser Entwurf platziert zum Bürgerpark ein 15-geschossiges Bürohochhaus und gegenüberliegend ein 10-geschossiges Bürogebäude.
Die Kritikpunkte:
Ich schließe mich ausdrücklich der bereits während des Qualifizierungsverfahrens und der Öffentlichkeitsbeteiligung geäußerten Kritik an:
- Offener Brief der Stadtteilkonferenz Kalk vom April 2025:
„… dass sowohl die Inhalte der Aufgabenstellung als auch das gewählte Verfahren für die Öffentlichkeitsbeteiligung gravierende Mängel aufweisen.“
„… erkennen wir in der Machbarkeitsstudie, die dem Werkstattverfahren zugrunde liegt, ausschließlich Rentabilitätsüberlegungen der Grundstückseignerin sowie Zugeständnisse der Stadt an die selbige.“
„Kalk braucht keine 20.000 m² Bürofläche, schon gar nicht die von der teuersten Sorte im Hochhaus.“
„Wir erwarten, dass im Zentrum des rechtsrheinischen Köln auch über öffentliche Angebote nachgedacht wird: Z.B. Räume für Kultur, Räume zur gemeinschaftlichen Nutzung, eine Quartierssporthalle, Gemeinschaftsgärten, Büros für Quartiersarbeit.“
Und vor allem:
„Wir erwarten eine definitive, endgültige und zeitlich durchgängige Öffnung der Verbindung von Kalk Post durch die Arkaden zum Bürgerpark für Fußgänger und Radfahrer, wie sie der städtebauliche Vertrag vorsieht. Die Weigerung des Investors, diese Öffnung zu gewährleisten, ist nicht akzeptabel.“
- Offener Brief des Bundes deutscher Architektinnen und Architekten vom Oktober 2025:
„An der Aufgabenstellung ist der zu geringe Anteil der stadtteilbezogenen Nutzungen und Wohnflächen zu kritisieren.“
- Stellungnahme des Bürgervereins Kalk vom Oktober 2025:
„Die im Gremium diskutierten ‚Präzisierungen‘ der Aufgabenstellung erwecken den Eindruck einer nachträglichen Verschiebung der Spielregeln. Zentrale Leitlinien, die ursprünglich als offen formuliert waren, werden zunehmend restriktiv ausgelegt. Statt Varianten zu prüfen und Chancen abzuwägen, scheint sich das Verfahren in Richtung der wirtschaftlichen Vorgaben des Investors zu bewegen.“
„Kalk hat ein Quartier verdient, das langfristig Lebensqualität schafft – nicht nur Rendite.“
Diese kritische Sicht spielte im Ausschuss keine Rolle mehr. Einhellig wurde das umstrittene Wettbewerbsergebnis gelobt.
Aber der Prozess ist noch nicht abgeschlossen, der Bebauungsplan noch nicht beschlossen, die Baugenehmigungen noch nicht erteilt. Und es wäre nicht der erste Entwurf, der am Ende dann doch nicht gebaut wird …